06.10.2013
08.09.2013
Der Blick über die Orient-Okzident- Schiene
Amalso
kann’s nicht glauben. Alles ist möglich in diesen Zeiten:
Im Internet
liest er, ‚erlebnisorientierte,
rechtsextremistische Gruppierung‘. Was meinen die? „NSU!“ Ja, wie hießen die noch richtig?
Nationalsozialistischer Untergrund! Rechtes Morden als das neue
Republikerlebnis?
In den
Morgennachrichten hört er, „Takfiri“, eine tiefreligiöse islamische
Gruppierung“. Wie? Sind das nicht jene, spitzbärtigen, tiefbrutalen Gruppen,
die überall meuchelmordend und brandschatzend gegen alles vorgehen, was sie als
aber- oder ungläubig brandmarken? De facto aber handelt es sich um Saudisch
finanzierte Militärbriganten im syrischen Bürgerkrieg.
14.08.2013
Amalso liefert den Nachklapp zu „Shaykh Zuwaid“ und die moderne Frau:
Heute Morgen in aller Früh wurde Amalso von seinem Freund angerufen, der ihn darum bat unbedingt noch etwas zum „Shaykh Zuwaid“ und über die „ägyptische Revolution“ nachzutragen.
Amalso fragte, „wie das?“ „Nun“, sagte der Freund,“ es hat
mich immer beschäftigt, warum mich die Amerikaner damals so unvermittelt auf
diese Frage nach der Stellung der beduinischen Frau festlegen wollten, was sollten
die damit anfangen?
Heute morgen -nachdem ich in der Nacht vom Beginn des Kairoer
„Gemetzel“ gehört hatte - fällt mir ein, dass das doch einen tieferen Sinn
hätte haben können.“
Amalso antworte erschüttert, „Das dürfte in Zusammenhang mit
so einem „ägyptischen Tag“ eine umständliche Angelegenheit werden?“
Der Freund: „Ja, ich muss mich kurz fassen: Alles was diese
„Muslimbüder“ - wenn ich diesen Euphemismus für ihre Botschaft, die
orientalischen Visionen der „mystischen Brüderlichkeit“ (man denke an Max
Webers protestantische „Liebe“) in die Moderne retten zu wollen, ernst nehme -
für den evangelischen Modernismus so interessant macht, ist die Zurückdrängung der Frau auf die alten,
segregistischen Bescheidenheits-Codes, ein Zurückdrängen des modernen
Weiblichkeits-Egoismus auf abgetrennte weltliche Schattenreiche.
Amalso wurde es bange, „was hat diese schlampige Ethnologie
über die natürliche Bescheidenheit der arabischen Frau mit Shaikh Zuwaid und Ägypten zu tun?“
Der Freund aber ließ sich nicht aus der Fassung bringen: „Auch
wenn wir das heute noch nicht so recht verstehen, so dürfen wir doch nicht
vergessen, dass der Kampf mit dem „Islamismus“ weit mehr bedeutet, als das andere
Religiöse, er hat etwas mit der weltweit modernen Ichfindung der Frau zu tun.
(Syrien, Libanon, Irak: Das erste was die Islamisten tun, wenn sie ein Dorf
erobert haben, die Frauen aus der Öffentlichkeit zu holen und sie in die
dunklen Löcher ihrer Häuser einzusperren, und überhaupt wenn sie mit Männern zu
tun haben, sie dem Kodex der Bescheidenheit in Sprache und Kleidung zu
unterwerfen).“
Amalso wurde ungeduldig, als der Freund nicht enden wollte:
„Das korrespondiert mit den Erwartungen
der modernen „Wirtschaftskämpfer“ und
Managerkultur, es sind ähnliche Interessen: Die Frauen sollen sich heute im
Berufsleben zumindest symbolisch verschleiern, wenn nicht überhaupt aus den Berufsrollen
heraustreten und nach Hause gehen.“
Jetzt glaubte Amalso einen Schimmer des Verstehens zu sehen,
er unterbrach: “Ach, ich verstehe, du willst den Neo-Konservativen ein offen egoistisches
Eigeninteresse unterstellen, wenn sie den Islamismus fördern?“
Der Freund antwortete: „Nein, nicht unbedingt, aber ich
glaube, sie sind, wie die Islamisten auch, am globalen Rollback der Frau sehr
interessiert. Ja, es kommt mir so vor, dass die damals von Vanity Fair Research
gestellte Frage nach den beduinisch arabischen Sprichwörtern über die Stärke
der beduinischen Frau unter den Stämmen des Nord-Sinai, in diesem Kontext nur
erklärlich ist, wenn man versteht, dass sie gerade in diese Richtung zielte.“
„Erlaube mir“ fügte der Freund jetzt noch hinzu, als Amalso
wirklich am Ende seiner Geduld mit dem selbstgerechten Freund war, „dass ich den
wirklichen Inhalt meiner Antwort an die Amerikaner nachtrage. Ich wisse zu
wenig über die Beduinenfrauen, hatte ich ihnen mitgeteilt, dafür sei mir aber
ein starkes, bis nach Kairo reichendes, stehendes Wort unter Fellachen-Frauen
des Nildelta geläufig: Es lautet etwa so: Dill al-ragul? Wala dill al-heeta? = Was
bietet (uns, den Fraurn) mehr Schutz? Der Schatten eines Mannes, oder der
Schatten einer Mauer?“
Amalso schüttelte sich den Kopf: „Oh, diese ägyptischen
Verwicklungen“, rief er aus und suchte im Internet nach neuen Nachrichten vom
quadratierten Tahrir.
11.08.2013
Amalso und Scheich Suweid (Shaykh Zuwaid)
Amalso liest ab und an die widerstreitenden Nachrichten über den Nord-Sinai, Drohnen, Raketen, Bomben, Schießereien, einmal von den Israelis, dann von der ägyptischen Armee, dann von den der Muslim Bruderschaft nahestehenden Terrorbanden, den sogenannten ‚Islamisten‘. Er wusste, dass einer seiner Freunde sich in den Jahren 2000 bis 2002 dort öfters aufgehalten hatte. Er fragte ihn, was er davon halte. Zur Antwort bekam er Folgendes:
„Spirituell
sind die Stammesführer der Beduinen, die führenden Scheichs dort, dem modernen
Sufi-Orden der Alawiyya verbunden, dessen Netzwerke von Algerien nach
Jerusalem, Süd-Israel , Ghaza und Scheich Suweid reichen (Vergessen wir Genua,
Marseille, Bristol, Oxford, etc.!). Es handelt sich dort um sehr aufgeklärte, kluge
und starke Männer, die sowohl Arabisch, als auch Hebräisch sprechen. An ihrer
Treue zu Ägypten kann auch heute noch trotz aller Widrigkeiten (Nähe zur
Grenze, neue Schulen der Ägypter, die niemand recht wollte etc.) kein Zweifel bestehen.
Ich sollte
von Hörensagen noch hinzufügen: In den letzten vier Jahren der Mubarak-Zeit
glaubten die Ägypter - hier wenig klug! - nach einigen Zwischenfällen zeigen zu
müssen, dass sie Herr der Lage sind, und griffen ordnungspolitisch hart durch. Unter
der Regierung Mursis wurden die Stämme zum Spielball des Kairoer Machtkampfes
zwischen der Muslim Bruderschaft und der Armee. Mit dem Ergebnis, dass
el-Tantawi den Oberbefehl der Armee verlor und ihm el-Sisi auf dem Posten
nachfolgte. 2012 fiel einer von den Sufi/Stammes-Scheichs, Scheich Khallaf,
Junior vermute ich, einem heimtückischen
Hinterhalt der Islamisten zum Opfer.
Ach, die
Amerikaner, ich hätte sie beinahe vergessen, 2000/1: Der amerikanische
Botschafter in Kairo soll sich öfter in der Gegend von Gurna und Bir ´Abd aufgehalten
haben. Mehrere junge Männer aus Bir ´Abd oder Kafr al-´Abid, ich weiß es nicht
genau, jedenfalls eine ausschließlich aus freigelassenen schwarzafrikanischen
Sklaven der Terabin (des Hauptstammes der Nord-Sinai-Beduinen) bestehende
Siedlung konnten auf diese Besuche hin College-Stipendien in Maryland erhalten. Ich erinnere mich, dass ich 2002
einen von ihnen persönlich getroffen habe. Ich habe über meine Erfahrungen
einmal einen kleinen Bericht geschrieben und wurde daraufhin noch in der späten
Zeit der Mubarak-Ära von „Vanity Fair Research“ mit einer eigenartigen
Frage über die Unterdrückung der Frau unter Sinai-Beduinen angeschrieben.
Ach, wenn
ich das heute alles revuepassieren sehe, bin ich sehr traurig! Scheich Suweid
war ein Beduinenfürst, sein Grabmal strahlt das Licht dieser wunderbaren Ecke
des östlichen Mittemeers aus und hat die Aura einer schon in
späthellenistischer Zeit lebendigen Kulturstätte.
Fragt man,
wie ich mich in Scheich Suweid damals zu Beginn des letzten Jahrzehnts gefühlt
habe, so berufe ich mich am liebsten auf die Zeilen von ´Abd al-Ghani an-Nablusi
(1641-1731), die der deutsch-österreichisch-jüdische
Orientalist Ignaz Goldziher einmal so übersetzt hat:
´…in Suweid herrscht das Wort der
glücklichen Liebe - ein Augenlied jagt hier kräftig nach meinem Herzen
Man sage nicht, es gebe keine Männer in Suweid – denn heute
gehöre ich zu den Männern von Suweid´
Und heute am Sonntag den 11. August
2013, heute Nacht noch, weine ich, und
wenn ich nur kurz in die Welt der neuen Medien blicke, weine ich viele Tränen
und denke an Scheich Suweid und an-Nablusi und die vielen Aufgeklärten und
Klugen dort…!„
16.06.2013
Amalso fragt nach dem Sniper in der Tonne
Amalso kann sich vor der Flut der Kriegsnachrichten aus dem
Orient nicht mehr retten, er fragt nach, soll dort der Okzident zum
Verschwinden gebracht werden oder geht es gar um die Rettung der Überallesmoral
einer okzidentalen Weltmacht?
Ich fordere nichts, sagt er, nicht die Wahrheit, nicht die Gerechtigkeit,
nicht die Sicherheit und Schönheit der Welt. Vor Tagen hatte er bei einem
interessierten Internetausflug von einer jungen tschetschenischen Kämpferin in
Aleppo gelesen, die Tage und Nächte damit verbracht haben soll, als Sniper aus
dem Innern einer Blechtonne Mensch um Mensch umgebracht zu haben, bis es sie
selbst erwischte. Nur sie? Darf man danach fragen?
Warum war sie in Syrien und nicht in Tschetschenien,
ausgerechnet sie? Gibt es darauf eine
ehrliche Antwort? Warum diese 50 deutschen
Kämpfer in Syrien, von denen - Stimme eines berufenen Ministers - als von
bedrohlichen Zeitbomben gesprochen wird? Was sind sie, wenn sie zurückkehren
sollten? Zeitbomben? Warum ihnen nicht einmal zurufen, warum seid ihr dort und
nicht freundlich hier?
Nun hören wir aber
auch die Stimme eines berufenen Präsidenten der mehrheitlich von Muslimen
bewohnten russischen Republik Tschetschenien - über die das Buch der Geschichte
(vorerst) geschlossen wurde - : es geht in Syrien nicht um einen „heiligen Krieg“,
alles nur eine Falle von ganz offen
operierenden ausländischen Spezialdiensten. Es gibt in Bezug auf Syrien den
Plan der ausländischen Dienste und Mächte, sagt er, das Regime abzuschaffen und
dabei ein Land zu zerstören und seine bewaffnete Macht zu liquidieren, koste es
was es wolle.
Aber was sehen wir, diese im Allah-Namen brandschatzenden, folternden und mordenden
Banden, mit schwarzen, roten oder weißen Stirnbändern, Kräuselbärten und
glattgeschnittenen Nackenhaaren. Was ist das?
02.06.2013
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