28.10.2013

Milano ist nicht Kairo

Milano ist nicht Kairo.
In diesen Tagen
Sind Polit-Leichen gefragt,
Berlusconi, SS-Priebke und
Die Leichen in den Wassern vor Lampedusa
Nicht zu vergessen!

Milano.
Man kann den Statione Centrale von vielen Seiten aus erreichen
Und kommt doch immer nur von einer Seite her.
Im Nieselregen ist alles anders
Und unvergleichlich wirbelnd.
Fragt man bedrückt und dringlich,
Helfen die Antworten selten weiter.

Überall beschleunigen sie,
Chaos und Labyrinth,
von Kreisel zu Kreisel,
 starre Menschengesichter,
sture Steuerer,
die selbstgerichtete Mobilität.

Da kamst einzig Du, Orion!
Setztest Dich zu mir
Und mit ruhigem Gesicht und
Grauem Haar und
Roten Adern an der Nase
Dirigiertes Du mich zur
Garage 2000 (noleggio).

Wie ein Wunder kamst Du,
Konntest mich zu keinem besseren Menschen machen.
Milano, aber,
Milano ist wie Kairo.
So dirigiertest du, Wunder Du, mit Verdis Ruhe mich.
Und ich verplapperte mir
Die menschlichen Wege zum Centrale und
Wäre vielleicht noch dort,
Ohne Dich

23.10.2013

Glänzende Stirn

(Piemonte im Oktober 2013)
 
Und dann und wann
Bei vielem Reisen
Ein schwarzes Fahrrad und
Ein schwarz‘ Gesicht, und doch,
Von nah, die glänzend schöne Stirn

Piemonte zum Beispiel
Etwa 9 Uhr 30
Vielleicht zur Ernte von gereiften Birnen
Vielleicht zu pflanzen schon die frischen Stauden
Flitzt die Schwarzhaut

Flitzt auf schwarzem Fahrrad
Wo nur Autos fahren und Traktoren,
Von seitwärts kommt er,
Kommt  uns entgegen

Fest in die Pedale tretend
Und im Glanz der vollen Sonne
Eine glänzende Stirn


M.E.St.

06.10.2013

Vor der Frankfurter Buchmesse

Die Flure sind noch leer, aber in den Hallen wird heftig gearbeitet und fleißig gewerkelt. Wir auch! Besucht uns doch in Halle 3.1 F 38, natürlich, wenn die Buchmesse offiziell eröffnet ist....

15.09.2013

Axel Dielmann: Nizza oder Die Liebe zur Kunst

Zur Frankfurter Buchmesse erscheint Nizza oder Die Liebe zur Kunst von Axel Dielmann.
Dort liest Axel Dielmann am 10.10., 11.00-11.30 Uhr, Halle 3.1 F38, aus seinem Werk.
  
Wir freuen uns auf Ihren Besuch in Halle 3.1 F38 
auf der Frankfurter Buchmesse vom 09.-13.10.2013!  

08.09.2013

Der Blick über die Orient-Okzident- Schiene


Amalso kann’s nicht glauben. Alles ist möglich in diesen Zeiten:
Im Internet liest er,  ‚erlebnisorientierte, rechtsextremistische Gruppierung‘. Was meinen die? „NSU!“  Ja, wie hießen die noch richtig? Nationalsozialistischer Untergrund! Rechtes Morden als das neue Republikerlebnis?
In den Morgennachrichten hört er, „Takfiri“, eine tiefreligiöse islamische Gruppierung“. Wie? Sind das nicht jene, spitzbärtigen, tiefbrutalen Gruppen, die überall meuchelmordend und brandschatzend gegen alles vorgehen, was sie als aber- oder ungläubig brandmarken? De facto aber handelt es sich um Saudisch finanzierte Militärbriganten im syrischen Bürgerkrieg.

14.08.2013

Amalso liefert den Nachklapp zu „Shaykh Zuwaid“ und die moderne Frau:


Heute Morgen in aller Früh wurde Amalso von seinem Freund angerufen, der ihn darum bat unbedingt noch etwas zum „Shaykh Zuwaid“ und über die „ägyptische Revolution“ nachzutragen.
Amalso fragte, „wie das?“ „Nun“, sagte der Freund,“ es hat mich immer beschäftigt, warum mich die Amerikaner damals so unvermittelt auf diese Frage nach der Stellung der beduinischen Frau festlegen wollten, was sollten die damit anfangen?
Heute morgen -nachdem ich in der Nacht vom Beginn des Kairoer „Gemetzel“ gehört hatte - fällt mir ein, dass das doch einen tieferen Sinn hätte haben können.“ 
Amalso antworte erschüttert, „Das dürfte in Zusammenhang mit so einem „ägyptischen Tag“ eine umständliche Angelegenheit werden?“
Der Freund: „Ja, ich muss mich kurz fassen: Alles was diese „Muslimbüder“ - wenn ich diesen Euphemismus für ihre Botschaft, die orientalischen Visionen der „mystischen Brüderlichkeit“ (man denke an Max Webers protestantische „Liebe“) in die Moderne retten zu wollen, ernst nehme - für den evangelischen Modernismus so interessant macht,  ist die Zurückdrängung der Frau auf die alten, segregistischen Bescheidenheits-Codes, ein Zurückdrängen des modernen Weiblichkeits-Egoismus auf abgetrennte weltliche Schattenreiche.
Amalso wurde es bange, „was hat diese schlampige Ethnologie über die natürliche Bescheidenheit der arabischen Frau  mit Shaikh Zuwaid und Ägypten zu tun?“
Der Freund aber ließ sich nicht aus der Fassung bringen: „Auch wenn wir das heute noch nicht so recht verstehen, so dürfen wir doch nicht vergessen, dass der Kampf mit dem „Islamismus“ weit mehr bedeutet, als das andere Religiöse, er hat etwas mit der weltweit modernen Ichfindung der Frau zu tun. (Syrien, Libanon, Irak: Das erste was die Islamisten tun, wenn sie ein Dorf erobert haben, die Frauen aus der Öffentlichkeit zu holen und sie in die dunklen Löcher ihrer Häuser einzusperren, und überhaupt wenn sie mit Männern zu tun haben, sie dem Kodex der Bescheidenheit in Sprache und Kleidung zu unterwerfen).“ 
Amalso wurde ungeduldig, als der Freund nicht enden wollte: „Das korrespondiert  mit den Erwartungen der modernen „Wirtschaftskämpfer“  und Managerkultur, es sind ähnliche Interessen: Die Frauen sollen sich heute im Berufsleben zumindest symbolisch verschleiern, wenn nicht überhaupt aus den Berufsrollen heraustreten und nach Hause gehen.“  
Jetzt glaubte Amalso einen Schimmer des Verstehens zu sehen, er unterbrach: “Ach, ich verstehe, du willst den Neo-Konservativen ein offen egoistisches Eigeninteresse unterstellen, wenn sie den Islamismus fördern?“
Der Freund antwortete: „Nein, nicht unbedingt, aber ich glaube, sie sind, wie die Islamisten auch, am globalen Rollback der Frau sehr interessiert. Ja, es kommt mir so vor, dass die damals von Vanity Fair Research gestellte Frage nach den beduinisch arabischen Sprichwörtern über die Stärke der beduinischen Frau unter den Stämmen des Nord-Sinai, in diesem Kontext nur erklärlich ist, wenn man versteht, dass sie gerade in diese Richtung zielte.“
„Erlaube mir“ fügte der Freund jetzt noch hinzu, als Amalso wirklich am Ende seiner Geduld mit dem selbstgerechten Freund war, „dass ich den wirklichen Inhalt meiner Antwort an die Amerikaner nachtrage. Ich wisse zu wenig über die Beduinenfrauen, hatte ich ihnen mitgeteilt, dafür sei mir aber ein starkes, bis nach Kairo reichendes, stehendes Wort unter Fellachen-Frauen des Nildelta geläufig: Es lautet etwa so: Dill al-ragul? Wala dill al-heeta? = Was bietet (uns, den Fraurn) mehr Schutz? Der Schatten eines Mannes, oder der Schatten einer Mauer?“
Amalso schüttelte sich den Kopf: „Oh, diese ägyptischen Verwicklungen“, rief er aus und suchte im Internet nach neuen Nachrichten vom quadratierten Tahrir. 

11.08.2013

Amalso und Scheich Suweid (Shaykh Zuwaid)


Amalso liest ab und an die widerstreitenden Nachrichten über den Nord-Sinai, Drohnen, Raketen, Bomben, Schießereien, einmal von den Israelis, dann von der ägyptischen Armee, dann von den der Muslim Bruderschaft nahestehenden Terrorbanden, den sogenannten ‚Islamisten‘. Er wusste, dass einer seiner Freunde sich in den Jahren 2000 bis 2002 dort öfters aufgehalten hatte. Er fragte ihn, was er davon halte. Zur Antwort bekam er Folgendes:
„Spirituell sind die Stammesführer der Beduinen, die führenden Scheichs dort, dem modernen Sufi-Orden der Alawiyya verbunden, dessen Netzwerke von Algerien nach Jerusalem, Süd-Israel , Ghaza und Scheich Suweid reichen (Vergessen wir Genua, Marseille, Bristol, Oxford, etc.!). Es handelt sich dort um sehr aufgeklärte, kluge und starke Männer, die sowohl Arabisch, als auch Hebräisch sprechen. An ihrer Treue zu Ägypten kann auch heute noch trotz aller Widrigkeiten (Nähe zur Grenze, neue Schulen der Ägypter, die niemand recht wollte etc.) kein Zweifel bestehen.
Ich sollte von Hörensagen noch hinzufügen: In den letzten vier Jahren der Mubarak-Zeit glaubten die Ägypter - hier wenig klug! - nach einigen Zwischenfällen zeigen zu müssen, dass sie Herr der Lage sind, und griffen ordnungspolitisch hart durch. Unter der Regierung Mursis wurden die Stämme zum Spielball des Kairoer Machtkampfes zwischen der Muslim Bruderschaft und der Armee. Mit dem Ergebnis, dass el-Tantawi den Oberbefehl der Armee verlor und ihm el-Sisi auf dem Posten nachfolgte. 2012 fiel einer von den Sufi/Stammes-Scheichs, Scheich Khallaf, Junior vermute ich,  einem heimtückischen Hinterhalt der Islamisten zum Opfer.  
Ach, die Amerikaner, ich hätte sie beinahe vergessen, 2000/1: Der amerikanische Botschafter in Kairo soll sich öfter in der Gegend von Gurna und Bir ´Abd aufgehalten haben. Mehrere junge Männer aus Bir ´Abd oder Kafr al-´Abid, ich weiß es nicht genau, jedenfalls eine ausschließlich aus freigelassenen schwarzafrikanischen Sklaven der Terabin (des Hauptstammes der Nord-Sinai-Beduinen) bestehende Siedlung konnten auf diese Besuche hin College-Stipendien in Maryland  erhalten. Ich erinnere mich, dass ich 2002 einen von ihnen persönlich getroffen habe. Ich habe über meine Erfahrungen einmal einen kleinen Bericht geschrieben und wurde daraufhin noch in der späten Zeit der Mubarak-Ära  von  „Vanity Fair Research“ mit einer eigenartigen Frage über die Unterdrückung der Frau unter Sinai-Beduinen angeschrieben.
Ach, wenn ich das heute alles revuepassieren sehe, bin ich sehr traurig! Scheich Suweid war ein Beduinenfürst, sein Grabmal strahlt das Licht dieser wunderbaren Ecke des östlichen Mittemeers aus und hat die Aura einer schon in späthellenistischer Zeit lebendigen Kulturstätte.
Fragt man, wie ich mich in Scheich Suweid damals zu Beginn des letzten Jahrzehnts gefühlt habe, so berufe ich mich am liebsten auf die Zeilen von ´Abd al-Ghani an-Nablusi (1641-1731),  die der deutsch-österreichisch-jüdische Orientalist Ignaz Goldziher einmal so übersetzt hat:
´…in Suweid herrscht das Wort der glücklichen Liebe - ein Augenlied jagt hier kräftig nach meinem Herzen
Man sage nicht,  es gebe keine Männer in Suweid – denn heute gehöre ich zu den Männern von Suweid´

Und heute am Sonntag den 11. August 2013, heute  Nacht noch, weine ich, und wenn ich nur kurz in die Welt der neuen Medien blicke, weine ich viele Tränen und denke an Scheich Suweid und an-Nablusi und die vielen Aufgeklärten und Klugen dort…!„