11.01.2014

Noch bin ich da

Und Sonnen
Spiegeln sich im Zweigesbruch
Saum meines Wegs

Verwegene Spiele jagen
Über Sand und Laub

Raspelnd dürres Holz und Rinden
klirren unter
Meiner Füße Schritt

Kein bleicher Sommer
Noch Winter

Wenn Wiesen auch
Kläglich leuchtend
Den Hauch von Wärme tragen

Noch bin ich
Wieder da


M.E. Strougthon

22.12.2013

Niemand schläft in Alexandria


Festtage, Feiertage…Amalsos nächtliche Erinnerungen:


Niemand schläft in Alexandria

Du  weißt von nichts.
Hattest du je davon etwas erfahren?
Du weißt nichts von der kleinen Piazza mit den Palmen,
Von den Vierteln,
Wo man am Tag nicht mehr als zwei Piaster
Ausgibt, um zu überleben,
Weißt nichts von den Bomben, die es regnete,
In Kom al-Dikka, Mina al-Basal,
In Karmuz, Bab Sidra und draußen am Mahmudiya-Kanal,
Über den Ärmsten, den Fischern.
Schreie, Blut und Körperfetzen
In den Hütten, wo es so schon nur Elend gab.
Hast du je davon gewusst?
Winter 1942,
Festtage?
In Alexandria?
Nein!  

Flächenbombardements der Deutschen?
In Frankreich 1940, ja!
Schon in den glorreichen Foto-Bänden des Vaters
Mit den Augen eines Unschuldigen,
Mit Siegerblick über die gebeugten Köpfe der Ausgebombten.
In England, ja,
Von Coventry ja, schon in der Schule mit tiefer Reue.
Aber von deutschen und italienischen Flächen-Bombardements?
In Alexandria?
Je etwas gewusst?
Nein!
Wir sprechen nicht von Warschau, Kiew, ja,
und weiter nördlich, und östlich! Ja!
In Alexandria aber?
Nein!

Alexandria, zwei deiner schönsten Jahre,
In Unwissenheit und großer Hoffnung
Und schon nannte ich mich gerne
yaa Iskanderani!
Denn von deutschen Bombenteppichen auf Kom al-Dikka und Mina al-Basal, oder wo noch?
Nein!
Ich habe davon nichts gewusst.
Nein!
In Ruhe schlief ich in Alexandria
Und fast ein halbes Leben lang in Ägypten,
Da war ich,
Habe ich etwas von den systemischen Bomben gewusst? Dort?
Nein!

Ein Leben lang rechtete ich
Von wegen des Schreckens der Feuernächte in
Darmstadt, in meiner lieben, nahen Stadt.
Und noch heute zeige ich jedem englischen Freund
Die asiatischen Ruinen-Gesichter, die wir als Kinder noch In Händen hielten, damals zwischen zerbrochenen Backsteinen und unter den verkohlten Platanen des Hains.
Ich wusste das, ja! Sirenen seit früher Kindheit, ja!
Und doch,
Ich schlafe in Ruhe.

Was weiß ich heute, von Aleppo? Von Daraa, von Homs von Ghouta? Alles der Diktator! Weiß ich!
Couragierte deutsche Jugend gegen ihn,
Für die Freiheit,
Wenn auch etwas dumm vom Pfad abgekommen,
Weiß ich!
Etwas zu tief religiöse Gruppen, woher?
Und von den Bomben, ja, aber woher kommen sie?
Und das preziöse Feingerät, mein Gott, soviel Präzision,
Plötzlich, und in dieser, von düsterem Filigran
Durchschlagenen Region?
In Aleppo,
In den Vierteln, von den Menschen, mit den zwei Piastern usw.
Davon weiß ich nichts, aber:

In der Nacht, aber, als Ibrahim Abdel Meguid, der ägyptische Dichter, Es mir erzählte:
No one sleeps in Alexandria, 
Wusste ich,
Von den deutschen Flächenbombardements
In Alexandria:
Und nur, als ich es aufschrieb, konnte ich schlafen,
Wenn auch in Unruhe.
Aber jetzt, wusste ich es doch, dass auch das, was
In Aleppo usw.
Gerade passiert, einen
Syrischen Dichter finden wird,
Der es wissen muss, und uns erzählt, und davon, was wir nicht wussten und noch nicht Wissen dürfen
Über Syrien und Aleppo usw.,
Heute!

Du weißt schon, es ist nichts! In Ruhe werden wir schlafen!
Aber wir werden es wissen!
Und mit den Schatten des Wissens
Werden wir weiterleben!

-----

28.10.2013

Milano ist nicht Kairo

Milano ist nicht Kairo.
In diesen Tagen
Sind Polit-Leichen gefragt,
Berlusconi, SS-Priebke und
Die Leichen in den Wassern vor Lampedusa
Nicht zu vergessen!

Milano.
Man kann den Statione Centrale von vielen Seiten aus erreichen
Und kommt doch immer nur von einer Seite her.
Im Nieselregen ist alles anders
Und unvergleichlich wirbelnd.
Fragt man bedrückt und dringlich,
Helfen die Antworten selten weiter.

Überall beschleunigen sie,
Chaos und Labyrinth,
von Kreisel zu Kreisel,
 starre Menschengesichter,
sture Steuerer,
die selbstgerichtete Mobilität.

Da kamst einzig Du, Orion!
Setztest Dich zu mir
Und mit ruhigem Gesicht und
Grauem Haar und
Roten Adern an der Nase
Dirigiertes Du mich zur
Garage 2000 (noleggio).

Wie ein Wunder kamst Du,
Konntest mich zu keinem besseren Menschen machen.
Milano, aber,
Milano ist wie Kairo.
So dirigiertest du, Wunder Du, mit Verdis Ruhe mich.
Und ich verplapperte mir
Die menschlichen Wege zum Centrale und
Wäre vielleicht noch dort,
Ohne Dich

23.10.2013

Glänzende Stirn

(Piemonte im Oktober 2013)
 
Und dann und wann
Bei vielem Reisen
Ein schwarzes Fahrrad und
Ein schwarz‘ Gesicht, und doch,
Von nah, die glänzend schöne Stirn

Piemonte zum Beispiel
Etwa 9 Uhr 30
Vielleicht zur Ernte von gereiften Birnen
Vielleicht zu pflanzen schon die frischen Stauden
Flitzt die Schwarzhaut

Flitzt auf schwarzem Fahrrad
Wo nur Autos fahren und Traktoren,
Von seitwärts kommt er,
Kommt  uns entgegen

Fest in die Pedale tretend
Und im Glanz der vollen Sonne
Eine glänzende Stirn


M.E.St.

06.10.2013

Vor der Frankfurter Buchmesse

Die Flure sind noch leer, aber in den Hallen wird heftig gearbeitet und fleißig gewerkelt. Wir auch! Besucht uns doch in Halle 3.1 F 38, natürlich, wenn die Buchmesse offiziell eröffnet ist....